Oderfront · Januar–Mai 1945

Die 25. Panzergrenadierdivision an der Oderfront

Von der Ankunft bei Küstrin im Januar 1945 bis zur Kapitulation vor den Amerikanern bei Schwerin – der Weg einer württembergischen Division durch die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs.

Als die Rote Armee Ende Januar 1945 die Oder erreichte und nur noch 70 Kilometer von Berlin entfernt stand, brauchte das deutsche Oberkommando schnell neue Divisionen, um die Reichshauptstadt zu schützen. Zu den ersten Verbänden, die an diesen neuen Frontabschnitt geworfen wurden, gehörte die 25. Panzergrenadierdivision unter Generalmajor Burmeister. Ihre Geschichte an der Oder – von Küstrin über die Seelower Höhen bis zur Kapitulation im Westen – ist die Geschichte eines Kampfes, der von Beginn an aussichtslos war.

Der erste deutsche Verband an der Oder

29. Januar bis 3. Februar 1945 – Ausladung mitten in die Krise

Am 29. Januar 1945 meldet sich Generalmajor Burmeister im Lager Maybach I bei Zossen zur Einweisung: Seine Division soll von Küstrin aus nach Osten vorstoßen und den dort vordringenden Feind aufhalten. Der Befehl ist bereits überholt, noch bevor die ersten Teile eintreffen. Sowjetische Vorausabteilungen sind am 31. Januar mit Panzern und Infanterie aus dem Osten vorgestoßen und haben bei Kienitz einen Brückenkopf über die Oder geschlagen; am selben Tag dringen 39 sowjetische Panzer auch bei Küstrin vor. Die Division wird noch am 31. Januar in Küstrin ausgeladen und muss ihre Bataillone einzeln, unmittelbar nach dem Verlassen der Züge, in die Kämpfe werfen – gegen Truppenkonzentrationen, für die auf deutscher Seite außer Volkssturm und zwei Bataillonen praktisch nichts zur Verfügung steht.

Bereits am 1. Februar wirft das 2. Bataillon des Panzergrenadierregiments 119 die Sowjets bei Groß Neuendorf zurück, der Angriff bleibt aber am Ortsrand liegen. Am 2. Februar bricht eine gepanzerte Kampfgruppe – Schützenpanzer vom Typ Sd.Kfz. 251 mit 2-cm-Flak-Drillingen – bis zur Kirche von Groß Neuendorf durch, kann den Ort aber nicht nehmen. Gleichzeitig überschreiten die Sowjets die Oder auch bei Güstebiese und bilden dort einen zehn Kilometer tiefen Brückenkopf, der die linke Flanke der Division bedroht. Innerhalb weniger Tage steht die gesamte, in Eile herangeführte Division bereits in schweren Abwehrkämpfen.

Originale Generalstabskarten und Geländeaufnahmen der Brückenköpfe bei Kienitz und Güstebiese zeigt das Video im Detail.

Der Küstrin-Korridor

Februar bis März 1945 – die Lebensader der eingeschlossenen Festung

Nach wochenlangen, verlustreichen Angriffen auf die Brückenköpfe bei Kienitz und Genschmar – wiederholt schlägt die Division sowjetische Vorstöße ab, ohne den Gegner ganz zurückwerfen zu können – übernimmt die 25. Panzergrenadierdivision ab dem 10. Februar eine neue Aufgabe: Sie soll den schmalen, etwa einen Kilometer breiten Versorgungszugang zur eingeschlossenen Festung Küstrin offenhalten. Nacht für Nacht fahren Lastwagenkolonnen über diesen Korridor Waffen, Munition und Verpflegung in die Stadt und bringen Verwundete sowie Zivilisten heraus. Das Artillerieregiment 25 mit 40 Geschützen und die Heeres-Flak-Abteilung 292 mit zwölf 8,8-cm-Kanonen sichern beide Flanken des Zugangs.

Die Kämpfe um diesen Korridor ziehen sich über Wochen: Am 6. und 7. März wehrt die Division starke sowjetische Angriffe bei Küstrin-Kietz ab, am 9. März dringen sowjetische Panzer bis fast an die Behelfsbrücken der Oder vor, ehe die Division die Frontlinie am 11. März wiederherstellt. Ein von Oberst Rudel geführter Unterstützungsangriff endet damit, dass Rudel selbst abgeschossen wird und bewusstlos aus dem brennenden Flugzeug geborgen werden muss. Verstärkt wird die Division in dieser Zeit durch das Volksartilleriekorps 400 mit 87 Geschützen und mehrere Werferabteilungen – dennoch bleibt die Lage prekär, da Betriebsstoff- und Munitionsmangel jeden Einsatz begrenzen.

„[Die 25. Panzergrenadierdivision] brachte mit gewohnheitsmäßiger Sicherheit alle sowjetischen Angriffe zum Scheitern.“ – Generaloberst Gotthard Heinrici, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel, in seinem Bericht von 1946

Die Stellungen entlang des Küstrin-Korridors sind bis heute im Gelände sichtbar – das Video zeigt sie mit aktuellen Aufnahmen.

Zwei gescheiterte Entsatzangriffe

22. bis 29. März 1945 – der Fall der Festung Küstrin

Am 17. März 1945 setzt sich Hitler gegen den Rat der 9. Armee durch und besteht darauf, den sowjetischen Brückenkopf bei Reitwein-Göritz anzugreifen, statt den kleineren, später besetzten Brückenkopf bei Küstrin-Kietz zu bekämpfen. Zur Vorbereitung dieses Angriffs wird die 25. Panzergrenadierdivision – als beste verfügbare Division – aus der Front bei Küstrin herausgelöst und in den Ruheraum verlegt. Die Sowjets erkennen die dadurch entstandene Schwäche sofort: Am 22. März treten sie mit sechs Divisionen und zwei Panzerbrigaden zwischen Manschnow und Genschmar an, durchbrechen die Front und schließen die Festung Küstrin vollständig ein. Noch am selben Tag wird die 25. Panzergrenadierdivision alarmiert und tritt zum Gegenangriff an – bis zum Einbruch der Dunkelheit gewinnt sie Gelände zurück und meldet 116 abgeschossene sowjetische Panzer, doch der Versorgungskorridor bleibt durchtrennt.

Zwei Versuche, die Festung zu entsetzen, scheitern in den folgenden Tagen: In der Nacht vom 23. auf den 24. März kommt eine gepanzerte Kampfgruppe der Division bis auf drei Kilometer an den Küstriner Kessel heran, wird aber zurückgeworfen. Am 27. März tritt das gesamte 39. Panzerkorps mit fünf Divisionen zum zweiten Entsatzangriff an – auch dieser bricht im sowjetischen Abwehrfeuer zusammen. Hitler ist über den Fehlschlag so verärgert, dass er am 28. März Generaloberst Guderian als Chef des Generalstabs entlässt. In der Nacht zum 29. März bricht der Festungskommandant SS-Brigadeführer Reinefarth den Ausbruch aus der bereits verlorenen Altstadt vorzeitig ab organisiert und ohne Rücksprache – die eigene Linie beschießt die eigenen ausbrechenden Soldaten im Chaos zunächst als vermeintliche Sowjets. Küstrin, um das seit zwei Monaten gekämpft worden war, ist verloren.

Wie die beiden Entsatzangriffe im Detail verliefen und woran sie scheiterten, zeigt das Video anhand von Lagekarten.

Auffrischung – und Hitlers Fixierung auf die Seelower Höhen

Ende März 1945 – eine Division am Limit

Vom 31. März bis zum Beginn der sowjetischen Großoffensive liegt die Division als Reserve in Ruhe – dringend nötig, denn nach zwei Monaten ununterbrochenem Großkampf verfügen die Panzergrenadierbataillone nur noch über 50 bis 70 Prozent ihrer Sollstärke, die Panzerabteilung nur noch über ein Viertel ihrer Panzer. Allein im März verliert die Division 456 Gefallene, 1.447 Verwundete, 248 Vermisste und 230 Kranke. Der neue Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel, Generaloberst Gotthard Heinrici, meldet in einem dringlichen Fernschreiben sogar Mangel an Maschinenpistolen und Maschinengewehren in den rückwärtigen Diensten, während an der Front Handfeuerwaffen fehlen.

„Ich habe durch Stichproben bei den Versorgungstruppen und Trossen einzelner Divisionen beider Armeen festgestellt, dass noch immer, trotz der angespannten Waffenlage, in diesen Einheiten Maschinenpistolen und Maschinengewehre vorhanden sind.“ – aus Heinricis Fernschreiben an die Heeresgruppe

Die letzten natürlichen Hindernisse zwischen der Roten Armee und Berlin sind das Oderbruch und die Höhenstufe von Seelow. In der Nacht vor dem erwarteten sowjetischen Großangriff weicht die deutsche Führung mit der Truppe rund drei Kilometer in eine neue, noch vor den Seelower Höhen gelegene Grosskampf-Hauptkampflinie zurück, um sie dem ersten verheerenden Trommelfeuer zu entziehen – eine seltene Ausnahme, der Hitler entgegen seiner Gewohnheit zustimmt. Zum Gegenstoß stehen drei gepanzerte Verbände bereit, darunter die 25. Panzergrenadierdivision.

Wie knapp die personelle und materielle Lage der Division zu diesem Zeitpunkt wirklich war, ordnet das Video anhand der Divisionsakten näher ein.

Die Schlacht beginnt: Seelow, 16. April 1945

Trommelfeuer, Flakscheinwerfer und der erste Tag der Offensive

Am 16. April 1945, vier Uhr morgens, beginnt die 1. Weißrussische Front unter Marschall Schukow im Oderbruch die Offensive auf Berlin. Nach einem enormen Trommelfeuer aus mehreren tausend Geschützen gibt ein vertikaler Scheinwerferstrahl das Signal zum Einschalten von rund 150 Flakscheinwerfern, die das Schlachtfeld beiderseits Küstrins beleuchten sollen. Um 6 Uhr treten die sowjetischen Infanteriedivisionen mit rund 450 Panzern zum Angriff an und durchbrechen die vordersten deutschen Stellungen – die Grosskampflinie hält jedoch, mit nach deutschen Angaben rund 150 abgeschossenen Panzern und 130 abgeschossenen Flugzeugen. Am zweiten Tag, dem 17. April, gelingt den Sowjets in der Mitte des Abschnitts bei Seelow der Durchbruch. Die 25. Panzergrenadierdivision – zunächst durch feindliche Tiefflieger am Vormarsch gehindert – wird zur Verteidigung der Höhenstufe südlich Wriezen eingesetzt und hält gemeinsam mit der 606. Infanteriedivision den Ort selbst.

Das Trommelfeuer und die Flakscheinwerfer-Taktik zum Auftakt der Schlacht um die Seelower Höhen zeigt das Video mit Kartenanimation.

Rückzug über Wriezen zum Finowkanal

18. bis 21. April 1945

Am dritten Tag der Offensive, dem 18. April, bricht die Front bei Bliesdorf und Wriezen unter dem Druck zweier sowjetischer Armeen zusammen. Ein Bataillon des Panzergrenadierregiments 35 wird bei Bliesdorf aufgerieben, nur rund 50 Mann erreichen die Höhenstufe. Drei Kompanien des Panzergrenadierregiments 119 können sich nicht mehr vom Gegner lösen und gelten seither als verschollen. Wriezen selbst wird eingeschlossen; den dort eingesetzten Bataillonen unter Hauptmann Baumann gelingt am Abend des 20. April ein Ausbruch aus dem Kessel. Am selben Tag muss das Oberkommando des Heeres sein Lager Maybach bei Zossen fluchtartig räumen – der sowjetische Durchbruch bei Müncheberg geht so schnell voran, dass an eine geordnete Zerstörung der Anlagen nicht mehr zu denken ist.

Am 21. April durchbricht die 1. Weißrussische Front mit drei Armeen den Berliner Autobahnring und dringt in die Vororte der Hauptstadt ein. Die 25. Panzergrenadierdivision steht zu diesem Zeitpunkt bereits nördlich davon, in einem Brückenkopf bei Freienwalde am Finowkanal – dadurch gerät sie nicht mehr in den eigentlichen Endkampf um Berlin, sondern wird der Aufgabe zugeteilt, den Nordraum der 3. Panzerarmee zu sichern.

Den Rückzugsweg über Wriezen bis zum Finowkanal verfolgt das Video Ort für Ort anhand von Kartenmaterial und heutigen Geländeaufnahmen.

Der Entsatzangriff, der nie zustande kam

22. bis 27. April 1945 – Gruppe Steiner und Hitlers Nervenzusammenbruch

Am 22. April befiehlt Hitler dem SS-Obergruppenführer Felix Steiner, mit einer „11. SS-Panzerarmee“ von Norden her auf Berlin anzugreifen und die Stadt zu entsetzen – eine Armee, die in Wirklichkeit kaum mehr als auf dem Papier existiert. Als Generaloberst Krebs bei der Mittagslage im Führerbunker meldet, dass Steiner den Angriff nicht begonnen habe, weil ihm unterstellte Verbände von Heer und Luftwaffe gar nicht erschienen seien, erleidet Hitler nach dieser Nachricht einen Nervenzusammenbruch. Die 25. Panzergrenadierdivision wird der Gruppe Steiner unterstellt und tritt am 25. April bei Nassenheide tatsächlich zu ihrem letzten geschlossenen Angriff des Krieges an – erreicht die Bahnlinie bei Germendorf und gewinnt einen kleinen Brückenkopf über den Ruppiner Kanal, steht dabei aber völlig allein, ohne die übrigen für den Angriff vorgesehenen Verbände.

Am 27. April durchbrechen die Sowjets bei Prenzlau die Front der 3. Panzerarmee. Generaloberst Heinrici fordert die sofortige Verlegung der 25. Panzergrenadierdivision nach Norden, um den Durchbruch zu stoppen – das Oberkommando der Wehrmacht weigert sich zunächst, den Angriffsraum bei Oranienburg aufzugeben. Erst als klar wird, dass von der Entsatzarmee General Wenks und der 9. Armee nichts Verwertbares mehr übrig ist, zieht Heinrici die Division in der Nacht zum 28. April auf eigene Verantwortung aus der Front und setzt sie zur Deckung des Rückzugs der Heeresgruppe Weichsel ein.

Steiners Scheinarmee und Hitlers Zusammenbruch bei der Mittagslage im Führerbunker schildert das Video ausführlicher.

Der letzte Marsch nach Westen

28. April bis 3. Mai 1945 – von Neustrelitz bis Schwerin

Auf dem Marsch über Löwenberg und Gransee nach Neustrelitz zeigen sich bei der Truppe erste Auflösungserscheinungen – kein Wunder angesichts der Flüchtlingstrecks, KZ-Häftlingskolonnen und versprengten Soldaten, die die Straßen verstopfen. Bei Neustrelitz kommt es zwischen Generalfeldmarschall Keitel und Generaloberst Heinrici zu einem offenen Eklat: Keitel wirft Heinrici Gehorsamsverweigerung vor, weil dieser den von Hitler befohlenen, sinnlosen Entsatzangriff auf Berlin abgebrochen hat, um seine Heeresgruppe kontrolliert nach Westen zu führen. Heinrici bleibt bei seiner Entscheidung. Am 29. April hält die Division bei Neubrandenburg noch einmal eine Verteidigungslinie gegen das 3. Garde-Panzerkorps – der letzte Großkampftag des Panzergrenadierregiments 35.

Am 30. April, dem Tag von Hitlers Suizid im Berliner Bunker, erreicht die Division die Auffanglinie am Malchiner See. Am 1. Mai verteidigt sie sich noch einmal am Malchiner See, während gleichzeitig britische Truppen unter Feldmarschall Montgomery über die Elbe stoßen, um der Roten Armee bei Wismar zuvorzukommen. Am 2. Mai vereinbart der Oberbefehlshaber der 21. Armee mit den Amerikanern, dass sich die Truppen im Westen den Briten und Amerikanern ergeben dürfen, statt weiter im Osten zu kämpfen – wodurch Hunderttausende deutsche Soldaten der gefürchteten sowjetischen Gefangenschaft entgehen. Am 3. Mai erreichen die ersten Einheiten der 25. Panzergrenadierdivision die amerikanischen Linien am Störkanal südlich des Schweriner Sees. Auf Befehl vernichten die Soldaten unterwegs ihre schweren Waffen und Fahrzeuge, bevor sie sich in Gefangenschaft begeben.

Der Eklat zwischen Keitel und Heinrici bei Neustrelitz sowie der letzte Marsch nach Westen sind im Video mit weiteren Details erzählt.

Das Ende der Division

Mai 1945 – ein Drittel überlebt bis zum Schluss

Die gefangenen Soldaten der Division werden zunächst in improvisierten Feldlagern bei Pampow, dann bei Rhade-Lübbe gesammelt, wo Verpflegung und Unterkunft anfangs katastrophal knapp sind. Am 22. Mai 1945 versammeln sich die kriegsgefangenen Soldaten der 25. Panzergrenadierdivision zu einer Gedenkfeier: Divisionskommandeur Generalmajor Burmeister verabschiedet sich von seinen Soldaten, entbindet sie von ihrem Fahneneid und löst die Division offiziell auf. Ende Mai werden die Lager nach Ostholstein an den Selenter See verlegt, in britisches Gewahrsam – damit ist die Gefahr einer Übergabe an die Sowjets endgültig gebannt. Laut den erhaltenen Lagerlisten sind zu diesem Zeitpunkt noch 120 Offiziere und 3.500 Unteroffiziere und Mannschaften der Division beisammen: etwa ein Drittel der ursprünglichen Divisionsstärke hat die schweren Abwehr- und Rückzugskämpfe der letzten Kriegsmonate überlebt und bis zum bitteren Ende zusammengehalten. Anfang Juli 1945 beginnen die Briten mit der Entlassung der Soldaten nach Süddeutschland.

Die vollständige Chronik der Division, mit Originalkarten und Zeitzeugenberichten, gibt es in der ausführlichen Videoreihe zum Nachschauen.

Die vollständige Dokumentation

Die 25. Panzergrenadierdivision an der Oderfront

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