Dessau · Februar–Oktober 1941

Die Geschichte des Georg Stamm: Feldpostbriefe eines Kanoniers 1941–1945

Originale Feldpostbriefe des Kanoniers Georg Stamm erzählen von der Einberufung 1941 bis zu seinem Einsatz an der Oderfront 1945.

Die Familie von Georg Friedrich Stamm hat nach über 76 Jahren seine Feldpostbriefe für dieses Projekt zugänglich gemacht. Sie sind der Auftakt einer Briefreihe, die den 1921 geborenen Göttinger vom Kasernenalltag in Dessau bis an die Oderfront 1945 begleiten wird.

Ein Sohn aus dem Landstädtchen Neustadt

Kindheit in Göttingen, Musik und Ingenieursträume

Georg Friedrich Stamm wird am 24. Mai 1921 im katholisch geprägten Landstädtchen Neustadt geboren, 1927 eingeschult; zwei Jahre später zieht die Familie nach Göttingen, wo Georg mit zehn Jahren ersten Geigenunterricht nimmt. Ab 1931 besucht er die naturwissenschaftliche städtische Oberrealschule und will nach dem Abitur Ingenieurwissenschaften studieren, um in den höheren Dienst der Reichsbahn einzutreten – zuvor muss er ab 1935 den Reichsarbeitsdienst ableisten, Drainage- und Erdarbeiten beim Bau eines Stichkanals bei Salzgitter. Im Februar 1941 erreicht ihn die Einberufung zur Wehrmacht: neues Zuhause wird die schwere Artillerie-Ersatz-Abteilung 49 in Dessau.

Das Video zeigt die Originalbriefe im Wortlaut als Faksimile, dazu historische Aufnahmen aus Georgs Jugend in Göttingen.

Der erste Brief aus Dessau

Ankunft, Einkleidung und erste Kameradschaft

Am 9. Februar 1941 schreibt Georg Stamm seinen ersten Brief aus der Kaserne nach Hause: Zusammen mit seinem Bekannten Werner Bruns ist er in der 5. Kompanie gelandet, mit ihm auch auf einer Stube; zwei weitere Kameraden aus der Heimatkameradschaft sind in einer anderen Kompanie, man hat sich für die Kantine verabredet. Über den Dienstbetrieb will er noch nichts schreiben, weil er selbst nichts Näheres wisse – die Ausbildung dauere sechs bis acht Wochen.

„Es war anscheinend sehr gut, dass ich erst noch eine Prüfung gemacht habe, die ich ja nebenbei ganz gut überstanden habe“

Am Ende bittet er die Eltern um ein paar Taschenbücher – vor der Abreise war in Hannover keine Zeit mehr zum Einkaufen – und um den reparierten Füllhalter.

Im Video ist der komplette Brief in Georgs eigener Handschrift zu sehen.

Kasernenalltag im Herbst 1941

Zentralheizung, Kleiderkarten und die Sorge um Papiere

Ein zweiter erhaltener Brief datiert vom 29. Oktober 1941: geordnetes Kasernenleben, beheizte Stuben, reichliche Verpflegung, und die Hoffnung, dass der bevorstehende „technische Dienst“ für mehr Ruhe sorgt. Ein großer Teil dreht sich um die typische Bürokratie des Kriegsalltags: Lebensmittelmarken, die bei der alten Kameradschaft in Hannover abgemeldet werden müssen, das Stammbuch, das mangels Zeit im Spind bleibt statt verschickt zu werden, und Zivilkleidung, die zur Kammer gebracht wurde und auf den Weitertransport wartet.

„Die Flieger haben uns bisher erst zweimal gestört – hoffentlich passiert das nicht erneut“

Im Herbst 1941 ist das nur ein Nebensatz. Vier Jahre später, im Februar 1945, wird Stamm an die Oderfront verlegt – dorthin, wo aus der beiläufigen Bemerkung über Fliegeralarm längst tödlicher Ernst geworden ist.

Das Video ordnet beide Briefe in Georgs Kriegschronik ein und kündigt die Fortsetzung bis an die Oderfront 1945 an.

Die Originalbriefe im Video

Die Geschichte des Georg Stamm | Feldpostbriefe 1941-1945 im Original

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