Ostfront vor Berlin · April 1945

Zeitzeuge F. Werzat: Als Volkssturmmann an der Ostfront vor Berlin

Der Feldpostbericht des Volkssturmmanns Fritz Werzat schildert Einberufung, Gefecht und Verwundung in den letzten Kriegstagen an der Ostfront vor Berlin im April 1945.

Feldpostnummer 65976 W: Unter diesem Absender schreibt Fritz Werzat seinen Bericht über die letzten Kriegswochen als Volkssturmmann vor den Toren Berlins – von der Einberufung Ende Januar 1945 über die Gefechte bei Hohenstein nahe Strausberg bis zur eigenen Verwundung und einer Odyssee durch überfüllte Verbandsplätze und Bunker.

Einberufung zum Volkssturm

Von der Wohnung direkt in die Baracke

Am Abend des 27. Januar 1945, während er noch am Schweizerhof wohnt, erhält Fritz Werzat den Gestellungsbefehl zum Volkssturm. Bereits am nächsten Tag muss er sich in den Baracken der Spinnstoffwerke AG stellen. Es folgt eine mehrmonatige Ausbildung mit Scharfschießen am MG sowie Schanzarbeiten am Machnower See.

Die Einberufungspraxis des Volkssturms in den letzten Kriegsmonaten schildert das Video mit weiterem Hintergrund zur Aufstellung dieser Einheiten.

Marsch an die Front vor Strausberg

Mit der Lastwagenkolonne quer durch Berlin

Am Abend des 18. April 1945 erfolgt trotz Fliegeralarm der Marschbefehl: Die Kompanie verlädt Waffen, Lebensmittel und Ausrüstung, bei Morgendämmern setzt sich die Kolonne mit Lastautos nach Zehlendorf in Bewegung, wo sie mit den anderen Kompanien zusammentrifft. Am 19. April führt die lange Autokolonne über Steglitz, Friedenau, Schöneberg und die Yorckstraße ostwärts, weiter über Lichtenberg und Friedrichsfelde in Richtung Strausberg, wo am Waldrand wegen starker Fliegertätigkeit Halt gemacht und Proviant ausgegeben wird. Die Fahrt geht weiter nach Hohenstein, das bereits unter Beschuss liegt: Panzerfaustausgabe, scharfe Munition, Eierhandgranaten, in der Dämmerung Vormarsch in Stellung. Nach kurzer Rast in einem Kartoffelkeller folgt eine kalte Nacht in Schützenlöchern.

Die Route der Kolonne quer durch Berlin bis an die Front zeigt das Video zusätzlich anhand von Kartenmaterial.

Gefechte bei Hohenstein

Beschuss durch Salvengeschütze

Gegen Vormittag des 20. April wird das Gehöft in Hohenstein, in dem sich die Kompanie zusammengezogen hat, durch sowjetische Salvengeschütze beschossen – herabfallende Ziegel und Steine fordern erste, teils schwer Verletzte; Werzat selbst erleidet Prellungen am Hinterkopf, da kein Stahlhelm getragen wird. Der Befehl zum Absetzen führt zu einer fluchtartigen Bewegung, bei der von der Kompanie kaum noch 20 Mann zusammenfinden. In der Nähe eines Waldstücks mit einer Artillerie-Funkbefehlsstelle liegen die Männer unter heftigem Beschuss in tiefen Erdlöchern fest, während russische Flieger bei schönstem Wetter ihre Kreise ziehen, um die Geschützstellungen auszumachen. Am Nachmittag schießt der Gegner Nebelgranaten, mit einem Angriff wird gerechnet; erst in der beginnenden Dämmerung kommt vom Bataillon der Befehl zum Absetzen.

Die Gefechte um Hohenstein und die Lage der Stellungen erläutert das Video ausführlicher anhand von Originalschilderungen.

Verwundet im Rückzug

Ein Treffer am Schienbein

Der Rückzug zum nahen, bereits brennenden Wald gerät fluchtartig, unter MG-Feuer fallen Kameraden rechts und links. Werzat presst sich gegen aufblitzende Leuchtspurmunition zu Boden – und spürt einen Schlag am rechten Schienbein: Er ist getroffen. Ein unbekannter Kamerad rät ihm, den Tornister zurückzulassen, und hilft ihm dabei. Verwundet, aber noch gehfähig, erlebt er in der Dunkelheit einen Bombenangriff auf nahe Ortschaften – „Weihnachtsbäume“ genannte Leuchtmarkierungen erhellen den Wald.

„Ich konnte wohl auf dem rechten Fuß stehen, aber mit ihm gehen war es doch schlecht bestellt.“

Ein vorbeikommender Kübelwagen, besetzt mit einem Pionieroffizier, dessen Fahrer und Werzats Bataillonsführer Bär, nimmt ihn mit; später auch einen Handverletzten. Nach mehreren Fahrzeugwechseln – zuletzt bei einem Geschäftsmann im privaten PKW – wird er schließlich, ohne dass ein Arzt gefunden werden konnte, bei Tasdorf am Straßenrand zurückgelassen.

Den Ablauf der Verwundung und der ersten Rettungsversuche schildert das Video mit weiteren Details aus dem Feldpostbericht.

Odyssee zum Verbandsplatz

Zufällige Rettung durch einen bekannten Zugführer

In Tasdorf, wo Militär und Volkssturm fieberhaft zum Aufbruch rüsten, erkennt zufällig der Zugführer Dr. Quotenhauer aus seiner eigenen Kompanie Werzat wieder und sorgt sofort für einen neuen Verband sowie den Weitertransport durch ein Militärauto. Über eine Luftschutz-Sanitätsstelle und einen offenen Lkw gelangt er nach Ramsdorf zum Hauptverbandsplatz in einem großen Luftschutzbunker – hier wird der Verband am 21. April vollständig erneuert.

Die Kette der Verbandsplätze bis zum Hauptverbandsplatz zeichnet das Video zusätzlich nach.

Eingeschlossen im Bunker

Vier Tage ohne Licht und Wasser

Am Sonntag, dem 22. April, fallen im Bunker Licht und Wasserzufuhr aus – ohne elektrische Ventilation und ohne Wasser harren rund 4.000 Menschen dort aus, dem Verhungern nahe. Erst am 30. April wird Werzat auf einem zweirädrigen Handwagen zu einem Notlazarett gebracht, wo endlich wieder Licht und Luft vorhanden sind. Dort bleibt er bis Ende Juli 1945. Kurz darauf wird Fritz Werzat aus dem Lazarett nach Hause entlassen – in Kriegsgefangenschaft gerät er nicht.

Die Zustände im Bunker und die abschließende Entlassung beschreibt das Video mit dem vollständigen Wortlaut des Feldpostberichts.

Der vollständige Bericht im Video

Volkssturmmann F.Werzat an der Ostfront vor Berlin - April 1945 - Die letzten Tage im 2. Weltkrieg

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